Konzept und Philosophie

Was ist eigentlich Gemeinschaft? Das Festival liegt der Vorstellung zugrunde, dass sie sich weder im Vorhinein noch im Alleingang definieren lässt. Erst im Prozess, im Zusammenspiel von Menschen, im Teilen von Zeit, Raum, Fähigkeiten und Erfahrungen entsteht Gemeinschaft.
Um dies zu ermöglichen, schafft das Festival Räume, in denen Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Hintergründen miteinander statt nur nebeneinander gestalten können. Das Projekt versteht sich als kollektiver Prozess, ein gemeinsames Erleben: ein Festival, das performative, künstlerische und arbeitspraktische Elemente miteinander verbindet. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der Teilhabe, Kreativität und kollektives Handeln ineinandergreifen und neue Formen des Miteinanders ertastet werden können. Nicht das fertige Werk, sondern der gemeinsame Prozess steht im Mittelpunkt. Durch gemeinsames Schaffen schaffen wir Gemeinschaft.

Deshalb möchten wir kein fertiges Programm vorgeben, sondern von Beginn an auf Partizipation und Teilhabe setzen. „Bottom up” entwickeln wir als interdisziplinären Team den Rahmen für die Festival-Beiträge mit den Künstler*innen zusammen. Demokratie beginnt für uns im Kleinen: in der Art, wie wir Entscheidungen fällen, wie wir Räume teilen und Verantwortungen aushandeln.
Und auch in den Workshops spielt demokratische Teilhabe eine wichtige Rolle. Wir backen Brot, erforschen unsere Stimmen, basteln Partyschmuck, formen Lehm, fermentieren, kreieren Sound, Visuals und Dance Moves, und vieles mehr. Damit möchten wir unterschiedlichste Formen der Artikulation, des Zuhörens, Aushandelns und der gegenseitigen Unterstützung erproben. Im praktischen künstlerischen Handeln erfahren wir uns als wichtige und wirksame Akteure einer größeren Gemeinschaft.

Wichtig ist dafür auch der letzte Abend des Festivals. An diesem sollen die Prozesse und Produkte der einzelnen Workshops zusammengetragen und in Relation gesetzt werden. Als Höhepunkt und Abschluss möchten wir Raum bieten, die Vielfältigkeit, die künstlerischen Prozesse und die geschaffene Gemeinschaft zu feiern.
Ganz konkret adressiert unser Festival die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit. Nicht nur Wirksamkeit, Teilhabe und Mitbestimmung, sondern auch Solidarität und Zuwendung sehen wir als wesentlich an, um den aktuellen multiplen Krisen begegnen zu können. Wir möchten erfahrbar machen, wie Gemeinschaft an Pluralität und Inklusion wachsen kann. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass eine Gesellschaft, die es auch in der Zukunft noch geben soll, schon heute nachhaltig im Umgang miteinander und mit der Umwelt sein muss.
KUNST DIE WELT RETTEN ist somit ein Festival zwischen Utopie und Praxis: ein temporärer Ort, an dem die Gemeinschaft, in der wir morgen leben wollen, heute Form annimmt.
Zentrale Prinzipien

Co-Creation
Jede Person ist mitgestaltend. Die Projekte, also der Prozess, entstehen vor Ort im Dialog durch das Miteinander. Besucher*innen sollen mitgestalten, verändern und erweitern.
Offenheit & Austausch
Die Grenzen zwischen kunstschaffenden Personen und dem Publikum sowie der Bühne sollen verwischen.
Nachhaltigkeit
Materialien, Ideen und Energien werden kollektiv geteilt sowie lokal und saisonal bezogen.
Lokalität
Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Werkstätten und Kunstschaffenden.
Prozess als Produkt
Dokumentation, Reflexion und Weitergabe sind Teil des künstlerischen Outputs.
Das Festival möchte erfahrbar machen, dass gemeinsames Gestalten selbst eine gesellschaftliche Praxis ist, eine, die Gemeinschaft hervorbringt, Verantwortung stärkt und versucht neue Perspektiven auf Kunst, Arbeit und Zusammenleben zu eröffnen.
Fotos: Luis Harmer(3), Roland Unger(1)